Bäume schneiden: So gelingt der Baumschnitt

Wir erklären, warum Sie Bäume schneiden sollten, zu welcher Jahreszeit der Baumschnitt sinnvoll ist und welches Werkzeug ideal ist.

Ein Mann mit STIHL Schutzhandschuhen und einer Astsäge blickt im Garten auf einen Laubbaum

Übersicht: Bäume schneiden

  • Baumschnitt sorgt für gesunde Bäume und viele Früchte

  • Keine Aststummel stehen lassen

  • Störende Äste und Wasserschosser entfernen

  • Dicke und lange Äste in mehreren Schritten abschneiden

Ein Baumschnitt ist nur selten nötig, sollte dann aber fachgerecht ausgeführt werden. Obwohl es über das Schneiden von Bäumen bergeweise Fachliteratur gibt, haben wir einfache Tipps gesammelt, mit denen Sie Ihre heimischen Bäume ganz einfach wieder in Form bringen und gesund halten.

Warum sollte man Bäume schneiden? 

Ein Baumschnitt sorgt dafür, dass genug Sauerstoff und Licht an die Pflanze gelangen und beugt so Pilzbefall vor. Der Rückschnitt fördert außerdem das Wachstum dicker und stabiler Äste. So wächst der Baum kontrolliert und bildet eine schöne Krone aus.

Morsche, kranke und abgestorbene Äste sind Brutstätten für Krankheiten und drohen von selbst abzubrechen. Bei älteren Bäumen neigt die Krone dazu, zu dicht, zu groß oder zu breit zu werden, was eine hohe Luftfeuchtigkeit im Mikroklima Ihres Gartens herbeiführen kann. Die Folge: dichter Moosbewuchs an Stamm und Ästen.

Auch wenn ein Baum zu viel Schatten wirft oder Zweige gegen die Hauswand wachsen, sollten Sie einen Baumschnitt vornehmen.

Baumschnitt wegen Verkehrssicherungspflicht

Grundstücksbesitzer müssen mögliche Gefahren verhindern, die von ihren Bäumen ausgehen können. Sie sind daher zum Beispiel verpflichtet, tote Äste zu entfernen, auf die Standsicherheit der Bäume zu achten und im Zweifelsfall einen Baumpfleger zu Rate ziehen. Entfernen Sie alle Äste, die möglicherweise eine Gefahr für andere darstellen können und etwa auf Straßen oder Wege ragen.

Wann sollte man Bäume schneiden?

Bei der Überlegung, wann Sie Ihre Bäume schneiden, spielt die Jahreszeit eine wichtige Rolle. Ein Baumschnitt ist zwar ganzjährig möglich, bietet sich aber besonders im Sommer, Herbst oder Spätwinter an.

Laubbaum in einem Garten im Herbst

Ein Baumschnitt im Sommer ist sinnvoll, da die Wunden dann generell besser heilen. Die warme Jahreszeit ist der richtige Zeitpunkt, um Kronen auszulichten und dabei senkrechte Wasserschosse zu entfernen. Der schnellere Heilungsprozess kommt besonders dicken Ästen oder Bäumen wie der Zierkirsche zugute, deren Wunden für gewöhnlich nur langsam heilen. 

Ab August bis zum Zeitpunkt der Verfärbung sollten Sie jedoch keinen Baumschnitt mehr vornehmen, zu dieser Zeit verlagern die Bäume nämlich wichtige Nährstoffe von den Blättern in die Wurzeln. Schneidet man zu viel Laub ab, schwächt das den Baum. 

Der Herbst ist eine gute Zeit, um Bäume zu schneiden, da die Bäume laubfrei sind und Sie die Form der Baumkrone und die einzelnen Äste besser erkennen können.

Im Spätwinter von Januar bis Anfang März verkraften besonders Bäume wie Kugelbaum oder Stein-, Kern- und Beerenobst einen Schnitt besser, da sie randvoll mit Reservestoffen sind. Wenn Sie Bäume im Winter schneiden, wählen Sie einen trockenen und frostfreien Tag.

Baumschnitt: Gesetzliche Vorgaben und Vogelschutz

Das Bundesnaturschutzgesetz (§ 39 BNatSchG) verbietet den radikalen Rückschnitt von Hecken und Gehölzen in der Zeit zwischen 1. März und 30. September. Solange keine Vögel im Gehölz brüten oder andere Tiere darin leben, sind Form- und Pflegeschnitte und nicht aufzuschiebende Verkehrssicherungsmaßnahmen in dieser Zeit trotzdem erlaubt. Da aber jede Gemeinde eigene Baumschutzsatzungen erlassen kann, erkundigen Sie sich bitte in Ihrer Gemeinde, bevor Sie einen Baum fällen oder stark beschneiden. 

Wann sollte man „blutende“ Bäume schneiden?

Nach einem Baumschnitt oder bei Rinden­verletzungen tritt bei Bäumen wie Birke, Walnuss und Ahorn eine Flüssigkeit aus, die aus gelöstem Zucker, Aminosäuren und Mineralstoffen besteht. Ist das der Fall, spricht man von einem „blutenden Baum“. Schneiden Sie blutende Bäume am besten direkt nach dem Blattaustrieb im Frühjahr, denn am Anfang der Vegetation ist auch der Wundverschluss ↓ gut: Der Baum ist in vollem Wachstumsmodus und kann besser auf Verletzungen reagieren.

Bäume richtig schneiden: Formschnitt und Pflegeschnitt

Baumschnitt ist nicht gleich Baumschnitt und der Baum muss nur in den seltensten Fällen radikal zurückgeschnitten werden. Form- und Pflegeschnitte sorgen dafür, dass der Baum schöner aussieht, gesünder wachst und mehr Früchte trägt.

Aufasten

Hat Ihr Baum sehr viele Seitentriebe am Stamm, können Sie diesen durch Aufasten freilegen. Der Baum wirkt dann weniger wuchtig und Sie schaffen Platz für einen Weg oder eine gemütliche Sitzgelegenheit. Schneiden Sie die Äste etwa bis in Kopfhöhe ab, achten Sie dabei aber auf die Proportionen des Baumes. Wenn Ihnen das Verhältnis zwischen Stamm und dem Volumen der Krone nicht harmonisch erscheint, sollten Sie auch einen Teil der Krone auslichten.

Eine Frau schneidet mit dem Akku-Gehölzschneider STIHL GTA 26 einen Ast von einer Baumgabel

Pflegeschnitt/
Entlastungsschnitt

Aufgrund von Fäulnis oder verursacht durch einen Sturm können Äste an- oder abbrechen, weshalb sie diese zurechtschneiden sollten. Auch Astgabeln können Schwachpunkte darstellen, wenn sich zwei gleichstarke Äste am selben Punkt im selben Winkel verzweigen. Prüfen Sie solche Stellen auf Risse oder entfernen Sie einen der beiden Äste rechtzeitig, um die Verletzungsgefahr durch herabfallende Äste einzudämmen.

Eine Frau schneidet mit einer STIHL Gartenschere einen Obstbaum zu

Schnitt für Schnitt mehr Früchte

Mit einem Obstbaumschnitt sorgen Sie nicht nur für eine schöne Form, sondern vor allem dafür, dass die Bäume reichlich Blüten und somit Früchte bilden. Ein gesundes Wachstum hat zudem eine hohe Fruchtqualität zur Folge. Tipps, wie Sie Obstbäume schneiden, finden Sie in unserem Ratgeber zu diesem Thema.

Baumschnitt: das richtige Werkzeug

Für einen sorgfältigen Baumschnitt benötigen Sie das passende Werkzeug. Die Auswahl des Werkzeugs hängt von den Arbeitsschritten sowie der Lage und Dicke der Äste ab. Mit einer Gartenschere können Sie dünnere Zweige und Äste einkürzen und abschneiden, für dickere Zweige und Äste ist eine Astschere die richtige Wahl, hohe Äste kürzen Sie am besten mit einem Hochentaster. Bei STIHL finden Sie eine große Auswahl von Astscheren und Astsägen für dicke und dünne Äste.

Tipps & Tricks für den richtigen Baumschnitt

Bäume verzeihen Schnittfehler nicht so leicht wie Stauden oder wüchsige Ziersträucher. Falsch abgeschnittene, dickere Äste können ein Stück Rinde vom Stamm abreißen und den Baum ernsthaft verletzen. Mit unseren Tipps und dem richtigen Werkzeug beschneiden Sie Ihre Bäume fachgerecht und schonend.

Achtung: Sichern Sie bei Arbeiten am Baum unbedingt den Arbeitsbereich ab, so dass kein Mensch oder Tier den Bereich der fallenden Zweige und Äste betreten kann. Arbeiten Sie außerdem nie mit einer Kettensäge in Kopfhöhe, über Kopf oder auf einer Leiter.

Ein Mann mit STIHL Schutzhandschuhen und Schutzbrille umfasst prüfend einen Ast im Garten

Keine Aststummel stehenlassen 

Achten Sie darauf, dass Sie Äste an Stamm oder Seitentrieb sauber am Astkragen abschneiden, damit keine Aststummel (sogenannte Huthaken oder Kleiderhaken) stehenbleiben. Diese treiben nicht mehr aus, trocknen ein und selbst sehr saubere Schnittwunden heilen schlecht. Mit der Zeit vertrocknen die Aststummel, sie können im schlimmsten Fall faulen und die Fäulnis kann sich im gesunden Holz breit machen.

Eine Person schneidet mit einer Gartenschere einen Zweig ab

Auf Auẞenauge schneiden

Die Knospen eines Baumes, also die Verdickungen an den Zweigen, nennt man auch schlafende Augen. Sie werden durch einen Rückschnitt aktiviert und treiben dann aus. Die Knospe, die der Schnittstelle am nächsten ist, treibt am stärksten aus – und zwar häufig in die Richtung, in die sie zeigt. So können Sie die Wuchsrichtung des Austriebes lenken und die Bildung von Seitentrieben fördern. Schneiden Sie den Zweig leicht schräg wenige Millimeter über einem Auge ab. Wenn Sie zu dicht an einem Auge ansetzen, vertrocknet die Knospe. Bleibt hingegen ein Zapfen stehen, trocknet er ein und entwickelt sich zum Minihuthaken.

Eine Frau entfernt Wassertriebe aus einem Laubbaum im Garten

Wasserschosser entfernen 

Wassertriebe, auch Geiltriebe oder Wasserschosser genannt, sind sehr dicht und kerzengerade nach oben wachsende Triebe, die besonders bei Obstbäumen auftreten. Eine mit Wasserschossern durchwachsene Krone wird beschattet und kann nach einem Regen schlechter abtrocknen. Schneiden Sie die Triebe dicht an der Basis ab. Sind die Wasserschosser noch dünn, können Sie sie abreißen.

 Jemand schneidet mit der Astschere STIHL Bypass PB 11  einen Ast von einer Baumkrone ab

Baumkronen schneiden

Um Kronen zu verkleinern, lichten Sie diese aus – schneiden Sie Baumkronen am besten mit einer Astschere oder einer Säge. Halten Sie die Krone nicht nur in Form, sondern schneiden Sie sie so zu, dass sie locker wächst. Entfernen Sie Triebe, die nach innen und zu steil nach oben wachsen. Liegen Äste übereinander oder behindern sich, sollten Sie die überzähligen Äste absägen. Entfernen Sie jedoch nie mehr als maximal ein Viertel einer lebenden Krone auf einmal und schneiden Sie Äste mit mehr als 10 Zentimetern Durchmesser nur mit sehr gutem Grund ab, da das einen deutlichen Eingriff in den Wuchs des Baumes darstellt.

Ein Mann in Arbeitsausrüstung schneidet mit dem Akku-Hochentaster STIHL HTA 56 den Ast eines Laubbaums vom Seitenast ab

Äste ableiten 

Schneiden Sie ganze Äste direkt am nächsten Seitenast ab oder alternativ über einem in passender Richtung wachsenden abzweigenden Seitentrieb. Dieser übernimmt die Funktion des abgeschnittenen Astes und sollte gut ein Drittel so dick sein wie der, den Sie abgeschnitten haben. So wird die Krone kleiner, behält aber ihre natürliche Wuchsform.

Ein Mann sägt einen Ast von oben nach unten entlang des Astrings vom Baum

Äste und Seitentriebe auf Astring schneiden

Die wulstige Verdickung zwischen Astbasis und Stamm wird als Astring bezeichnet. Der Astring spielt eine zentrale Rolle bei der Wundheilung. Deshalb sollten Sie Äste und Zweige stets auf Astring schneiden, also nicht direkt am Stamm. An dieser stark belasteten Stelle hat der Ast außerdem die Aufgabe, für die nötige Stabilisierung zu sorgen und darf folglich nicht verletzt werden.

Setzen Sie die Säge von oben an und schneiden Sie den Ast in leicht schrägem Winkel vom Stamm weg zügig durch.

Ein Mann schneidet mit dem Akku-Hochentaster STIHL HTA 56 einen Ast von einem Laubbaum ab

Hohe Äste kürzen

Beim Schneiden hoch im Baum ist es wichtig, dass Sie das Arbeitsgerät, zum Beispiel einen STIHL Hochentaster HTA 56, am Tragegurt einhängen. So ist das Gerät gesichert und kann nicht herunterfallen. Es gelten natürlich dieselben Schnittregeln wie beim Baumschnitt im unteren Teil des Baums. 

Arbeiten Sie nie unter einem Ast. Wenn Sie einen Ast abgesägt haben, räumen Sie diesen erst aus dem Weg, bevor Sie weiterarbeiten.

Dickere Äste in mehreren Schritten abschneiden

Dicke Äste mit mehr als 4 oder 5 Zentimeter Durchmesser sollten Sie in mehreren Schritten absägen, denn sie reißen aufgrund Ihres Gewichtes beim Fallen oft eine Rindenzunge aus dem Stamm und beschädigen ihn damit. Gehen Sie deshalb in vier einfachen Schritten vor:

Wundverschluss beim Baum

Wenn Sie mit einer scharfen Klinge arbeiten, müssen Sie die Schnittwunde nach dem Baumschnitt in der Regel nicht zusätzlich versiegeln. Saubere Wunden heilen von allein. Falls der Schnitt unsauber geworden ist, glätten Sie den ausgefransten Rand mit einem scharfen Messer.

Baumschnitt entsorgen 

Nach einem Baumschnitt haben Sie einiges an Schnittgut und Gartenabfällen zu entsorgen. Den Baumschnitt können Sie zersägen und zu Brennholz verarbeiten oder in einem Häcksler zu wertvollem Mulch- oder Kompostmaterial verarbeiten. Längere, formschöne Äste können Sie auch noch als Stützen, Rankhilfen oder als natürliche Beeteinfassung einsetzen. 

Der Baumschnitt gehört zur Pflege Ihrer Bäume dazu. Mit unseren Tipps gelingt die Baumpflege ganz leicht und Sie halten Ihre Bäume gesund. Denn auch wenn Bäume ausgesprochen pflegeleichte Pflanzen sind, brauchen sie ein wenig Unterstützung.